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	<title>rochuswolff.de &#187; Portraits</title>
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		<title>Stillgestellter Orient</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2005 14:07:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kritische Ausgabe]]></category>

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		<title>Portrait David Wagner</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Dec 2000 11:48:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist, als wolle er verschwinden. Sich hinter dem Buch, das er wie verlegen in seinen H&#228;nden dreht, verstecken, darin verlorengehen &#8211; dabei steht auf dem Einband laut und deutlich sein Name&#58; David Wagner, und darunter&#58; Meine nachtblaue Hose. F&#252;r diesen Roman, seinen ersten, hat er schon mehrere Preise erhalten, zuletzt mit dem Daedalus-Preis zwanzigtausend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist, als wolle er verschwinden. Sich hinter dem Buch, das er wie verlegen in seinen H&#228;nden dreht, verstecken, darin verlorengehen &#8211; dabei steht auf dem Einband laut und deutlich sein Name&#58; David Wagner, und darunter&#58; <em>Meine nachtblaue Hose</em>. F&#252;r diesen Roman, seinen ersten, hat er schon mehrere Preise erhalten, zuletzt mit dem Daedalus-Preis zwanzigtausend h&#246;chst reale Deutsche Mark&#58; da&#223; man ihn als Autor geehrt hat, kann ihm nicht entgangen sein. Er hat wohl auch schon auf unz&#228;hligen Lesungen daraus vorgelesen, doch dennoch klingt seine Stimme beim Lesen z&#246;gernd, stolpert gar &#252;ber die eine oder andere Stelle, und ein wenig monoton, als l&#228;se er den Text zum ersten Mal und w&#252;&#223;te nicht recht, wie er das Gelesene betonen soll.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist diese Leseweise auch schlicht dem Buch angepa&#223;t, denn <em>Meine nachtblaue Hose</em> besteht aus einem einzigen Bewu&#223;tseinsstrom, der statt H&#246;hen und Tiefen nur Windungen und sch&#246;n formulierte Wendungen hat. Aber zugleich wirkt es halt doch so, als sei ihm der Text, den er da vortr&#228;gt, etwas fremd. Das Nachwort, in dem die Inspiration f&#252;r den Roman be&#173;schrieben wird, empfindet er, &quot;als h&#228;tte ich das gar nicht geschrieben.&quot; Und ganz so, wie es da steht, sei es nat&#252;rlich auch nicht gewesen&#58; eher noch handelt es sich um &#220;berbleibsel einer vor&#173;herigen &#8211; viel l&#228;ngeren und weniger dichten &#8211; Manuskriptfassung und um den Versuch, Spuren zu verwischen, zu &quot;verwirren und Schlieren zu ziehen&quot;.</p>
<p>Dabei sind die Spuren des Autors im Buch mehr als deutlich&#58; David Wagner wurde 1971 in Andernach geboren und hat im Rheinland gelebt und studiert, bis er 1991 zur Fortsetzung seines Studiums nach Berlin gekommen ist&#59; sein Deb&#252;troman beschreibt eine westdeutsche Kindheit im Rheinland der 70er und 80er Jahre. Freim&#252;tig gesteht Wagner denn auch ein, ein &quot;erster Roman&quot; sei sehr oft autobiographisch, und er geh&#246;re keineswegs zu den Autoren, die sich alles frei ausdenken, wor&#252;ber sie schreiben.</p>
<p>Es geht ihm jedoch auch weniger um den Inhalt, als vielleicht mehr um das, was er etwa an Peter Handke bewundert&#58; diesen &quot;ehrlichen IchTon&quot;, das stilisierte, oft fast k&#252;nstlich wirkende Schreiben. W&#228;hrend des Schreibens an seinem Roman merkte er auch, wie etwa nach der H&#228;lfte des Textes dessen Thema f&#252;r ihn immer unwichtiger wurden, und da&#223; er sich mehr und mehr auf das Handwerkliche konzentrieren konnte, eine Erinnerung, die ihm offensichtlich Freude bereitet.</p>
<p>Allerdings erlaubt es ihm nicht alle Arbeit, immer so detailliert an den Texten zu feilen &#8211; seine Arbeit f&#252;r die &quot;Berliner Seiten&quot; und gelegentlich das Feuilleton der FAZ sind ihm willkommene Abwechslung. Als &quot;klassischen Journalisten&quot; mag er sich allerdings ebensowenig verstehen wie er den &quot;Schriftsteller als Leitintellektuellen&quot; geben m&#246;chte. Mehr noch, einen solchen k&#246;nne es schlichtweg &quot;nicht mehr geben&quot;, denn ein Autor habe heute nicht mehr &#220;berblick als irgendjemand anders und die &quot;Stoffmenge&quot; sei schlicht nicht mehr so &#252;berschaubar wie fr&#252;her. Zudem sei es keineswegs seine Hauptaufgabe, sich fortw&#228;hrend zu positionieren &#8211; vielleicht, setzt er hinzu, sei er gar &quot;ein bi&#223;chen meinungslos&quot;. Vorsichtig mit seiner Meinung ist er allemal &#8211; <em>Tristesse royale</em> qualifiziert er nur sehr behutsam als &quot;Inszenierung&quot; und &quot;clevere Verlagsidee&quot; ab. Und auch wenn er in <em>Meine nachtblaue Hose</em> politische und historische Fragen antippt &#8211; von den Konflikten seiner Generation mit den &quot;68ern&quot; bis zum Nationalsozialismus -, so geschieht das vorsichtig und ohne allzu eindeutige Positionierung. Allerdings zeugt es auch davon, da&#223; diese Probleme ihn umtreiben&#59; und auch wenn, wie er sagt, nicht mehr die ganze Vergangenheit mitgedacht werden m&#252;sse, wenn man &quot;Deutschland&quot; schreibe, so klingt eben diese Vergangenheit in seinem Roman doch als dunkler Ton im Hintergrund immer mit.</p>
<p>&#220;berhaupt war es die Besch&#228;ftigung mit Deutschland &#8211; mit seiner Vergangenheit, mit der Zeit vor der Wende &#8211; die David Wagner dazu brachte, <em>Meine nachtblaue Hose</em> zu schreiben. Von ersten Versuchen w&#228;hrend der Pubert&#228;t abgesehen, so sagt er, habe er erst bei seinen l&#228;ngeren Auslandsaufenthalten wieder mit dem Schreiben begonnen. Dort sei er nach der Wiedervereinigung oft gefragt worden, was sich in Deutschland zur Zeit &#228;ndere. Und da habe er sich gefragt, wie er versuchen w&#252;rde, eine westdeutsche Jugend &quot;jemandem zu erkl&#228;ren, der das gar nicht kennt.&quot;</p>
<p>Vielleicht erkl&#228;rt das ein wenig die eigent&#252;mliche Fremdheit, die David Wagner gegen&#252;ber seinen eigenen Texten zu empfinden scheint. So introspektiv sein Roman auch scheint, der Blick des Autors ist zugleich immer ein Blick von au&#223;en, aus der Fremde. Und fragt man ihn zu genau zu Details aus <em>Meine nachtblaue Hose</em>, weicht er aus, da m&#252;sse man wohl &quot;den Autor&quot; fragen. &quot;Aber der ist ja tot, der Autor.&quot; Als habe er Roland Barthes&#8217; Diktum so verinnerlicht, da&#223; der Teil von ihm, der diesen Roman geschrieben hat, schon nicht mehr bei uns ist, nicht mehr Teil von dem, der da h&#246;chst  lebendig vor mir sitzt.</p>
<p>Nat&#252;rlich kann es auch sein, da&#223; er sich nur ver&#228;ndert hat in dem Jahr, seit er das Buch fertiggestellt hat&#59; oder da&#223; er nur zu eingenommen ist von den Dingen, an denen er gerade arbeitet. Als er dar&#252;ber zu erz&#228;hlen beginnt, wird er lebendig. Seine gesammelten Feuilletons werden bald erscheinen, und dann ein Band Erz&#228;hlungen &#8211; Reiseerz&#228;hlungen, die er erst jetzt, da er wieder daheim bei Frau und Kind sei, die Ruhe finde zu schreiben. (Da ist er wieder, der Blick aus der Ferne, auf das, was er hinter sich gelassen<br />
hat.) Zuletzt signiert er noch ein Exemplar von <em>Meine nachtblaue Hose</em>, mit einer verwehenden, fl&#252;chtenden Handschrift, und dann ist er fort.</p>
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