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		<title>Stillgestellter Orient</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2005 14:07:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<title>Eine Sofadecke aus Luftmaschen</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Oct 2003 16:40:17 +0000</pubDate>
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		<title>Blut! Blut, Blut in alle Ewigkeit!</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Oct 2003 16:29:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<title>Ein Klassiker schon zu Lebzeiten</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Apr 2003 16:43:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<title>Nach dem Tod die Zeit</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Nov 2002 15:18:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zuerst ein Frühstück, in dem Sommerhaus, das Rey und Lauren gemietet haben und seit ihrer Hochzeit vor wenigen Monaten gemeinsam bewohnen. Die Welt beobachten, &#8220;noch ein bißchen traumzerschmolzen&#8221; Kaffee trinken. Saft, kein Saft? Essen, Zeitung lesen. Satzfetzen werden ausgetauscht, Fremdheit und Vertrautheit zugleich. Beim Rasieren geschnitten, das Geräusch im Haus letzte Nacht. Die Zeit kriecht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zuerst ein Frühstück, in dem Sommerhaus, das Rey und Lauren gemietet haben und seit ihrer Hochzeit vor wenigen Monaten gemeinsam bewohnen. Die Welt beobachten, &#8220;noch ein bißchen traumzerschmolzen&#8221; Kaffee trinken. Saft, kein Saft? Essen, Zeitung lesen. Satzfetzen werden ausgetauscht, Fremdheit und Vertrautheit zugleich. Beim Rasieren geschnitten, das Geräusch im Haus letzte Nacht. Die Zeit kriecht, was Lauren sagen will, hat sie immer schon vergessen, bevor es gesagt ist. Die kleinsten Dinge bekommen Aufmerksamkeit und entziehen sich ihr doch: &#8220;Die Klarheit des Augenblicks war ihr scharf bewusst, aber sie begriff, dass er schon zu Ende ging.&#8221;</p>
<p>So beginnt Don DeLillo sein neues Buches <em>Körperzeit</em>; das Frühstück ist zu Ende, und auf einmal bricht in den Text ein distanzierter, journalistischer Ton ein: ein Nachruf auf Rey Robles, der gerade noch mit Lauren beim Frühstück saß, sich jedoch kurz darauf in der Wohnung seiner ersten Frau eine Kugel durch den Kopf gejagt hat. &#8220;Rey Robles hinterläßt seine dritte Frau, Lauren Hartke, die Performancekünstlerin.&#8221; Dieser kühle Satz, den wir so oder ähnlich schon in tausenden Nachrufen gelesen haben mögen, läßt, nach der intimen, langsamen Erzählung der ersten Seiten, deutlich spüren, was für ein Einschnitt dieser Tod ist. Wie ein Fremdkörper ragt er aus Laurens Leben und der Nachruf aus dem Text hervor: DeLillo gelingt es so, dem Riß im Dasein dieser Frau Gestalt zu geben.</p>
<p>Lauren kehrt in das Haus zurück, obwohl ihre Freunde ihr davon abraten. &#8220;Der Plan lautete, die Zeit zu organisieren, bis sie wieder leben konnte.&#8221; Dann sind wieder die Geräusche im Haus zu hören, und bald nach ihrer Rückkehr trifft sie auf einen geheimnisvollen Mann, der mit ihr dort zu leben scheint. Er, den sie &#8220;Mr. Tuttle&#8221; nennt, ist nahezu unfähig, sich zu artikulieren, auch nur seinen Namen zu nennen. Wer er ist, wird nie klar: ist er wirklich aus einer psychiatrischen Anstalt entlaufen, wie Lauren sich einredet, oder existiert er nur in ihrer Phantasie, in ihrer Vorstellung? Ist er ein Gespenst, ein Wiedergänger Reys sogar? Denn Mr. Tuttle ist in der Lage, Gespräche &#8211; oder zumindest Fetzen davon &#8211; wiederzugeben, die Lauren und Rey geführt haben, kann sogar ihre Stimmen so imitieren, daß sie manchmal glaubt, Rey selbst vor sich zu haben.</p>
<p>Sie spricht mit Tuttle, sie nehmen ihre Gespräche mit Reys Diktiergerät auf, sie hört die Stimmen und kann fast nicht mehr unterscheiden, von wem sie stammen: von ihr, von Tuttle, von Rey? Mr. Tuttle wird zum Nachhall, zum Echo ihres Lebens mit Rey, sie durchlebt ihre Beziehung zu Rey noch einmal, bis hin dazu, daß sie mit Tuttle schläft. Vielleicht ist dieser seltsame Mann aber wirklich nur ihre Einbildung und ein Mittel, um die Zeit vergehen zu lassen &#8211; wie sie manchmal nachts vor ihrem Computer auf die Bilder einer Webcam starrt, die eine verkehrsarme Landstraße in Finnland zeigen.</p>
<p>Immer ist &#8220;Realität&#8221; so nur vermittelt erfahrbar: und wie wenig das, was in Lauren vorgeht sich nach außen darstellen lassen, wird auch in dem zweiten &#8220;journalistischen&#8221; Text deutlich, den DeLillo in diesem Roman verpackt hat, die Besprechung von Laurens Tanzperformance, die sie nach dem Verschwinden von Mr. Tuttle entwickelt und aufführt.</p>
<p>Die Journalistin weiß nicht, was wir wissen: sie sieht in dem Stück (das den Namen &#8220;Körperzeit&#8221; trägt) die Verwandlung von Lauren in eine alte Frau, in andere Menschen, zuletzt in Mr. Tuttle. Lauren gelingt es, schreibt sie, &#8220;den Körper abzuschütteln &#8211; ihren jedenfalls.&#8221; Im Hintergrund sind Bilder von der Landstraße in Finnland zu sehen. Lauren spielt in diesem Stück die Erlebnisse ihrer letzten Monate nach, durch: dem Blick von außen bleiben sie jedoch unsichtbar. Der Ton der &#8220;Berichterstattung&#8221; kann dem persönlichen Erleben nicht gerecht werden.</p>
<p>Don DeLillo gelingt das Kunststück, durch all die Schemen und Unsicherheiten hindurch den Schmerz sichtbar zu machen, der im Alltag steckt und in seinen Tausend Dingen. Kann man den Tod in einem Text schärfer fokussieren?</p>
<p>Don DeLillo: <em>Körperzeit</em>. Köln: Kiepenheuer &#038; Witsch 2001.</p>
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		<title>Die gleichen, heißen Sommer</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Apr 2002 16:46:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<title>Alle schreiben anders</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Apr 2002 16:21:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<title>Rezension von David Wagner: Meine nachtblaue Hose</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Dec 2000 15:10:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rochus Wolff</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alles fließt, das weiß man ja. Natürlich gilt, für unseren Lebensweg wie für Deutschlands Wasserstraßen, daß es unterschiedlich schnell vorwärts gehen kann: es kann hurtig und munter dahinplätschern wie bei einem Gebirgsbächlein oder langsam, mühselig und träge sein wie Vater Rhein, der dafür in seiner chemiehaltigen Tiefe Geheimnisse birgt, Schätze, und was der Nibelungendinge noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles fließt, das weiß man ja. Natürlich gilt, für unseren Lebensweg wie für Deutschlands Wasserstraßen, daß es unterschiedlich schnell vorwärts gehen kann: es kann hurtig und munter dahinplätschern wie bei einem Gebirgsbächlein oder langsam, mühselig und träge sein wie Vater Rhein, der dafür in seiner chemiehaltigen Tiefe Geheimnisse birgt, Schätze, und was der Nibelungendinge noch mehr sind.</p>
<p>Auch in David Wagners Debütroman <em>Meine nachtblaue Hose</em> fließt alles, aber es plätschert äußerst selten. Kaum, daß sich die Oberfläche auch nur kräuselt, wenn der Roman und mit ihm der Ich-Erzähler eintaucht und abtaucht: Erinnerungsfluß, Bewußtseinsstrom. Ein paar Schwimmstöße, und schon ist man von einem einzigen Punkt aus &#8211; trockenerweise die Umkleidekabine in einem Kaufhaus &#8211; hinab in den Tagen, als er mit seiner Freundin Fe deren Eltern im Rheinland besucht und sich an seine eigene Kindheit in Bonn erinnert. Dieses Erinnern geschieht bei allem, was er tut oder sieht; so wird ein Gang zur Toilette zum Anlaß für Gedanken über seine Eltern, und der Fisch, den er in einem Restaurant verspeist, erinnert an jenen, den er vor Jahren in den Rhein erbrach: in der Erinnerung paßt auch das vermeintlich Gegensätzliche zusammen.</p>
<p>Viele der Motive, die in diesen Erinnerungen und diesen Erinnerungen an Erinnerungen auftauchen, werden zunächst nur zart berührt und erst später eingehend betrachtet. So dringt man Schwimmzug für Schwimmzug tiefer in das Leben und die Vergangenheit des Erzählers ein, in die reiche, ziemlich fade und ereignislose Bürgerskindheit vor der Wiedervereinigung &#8211; mit 68er Eltern und Nazi­Anverwandten &#8211; und die spätere Zeit in Berlin, wo er Fe kennenlernt. Die spiralförmige Struktur dieses Erinnerns, das in einer Art Sog immer tiefer in die Vergangenheit führt, spiegelt sich auch in den Sätzen wieder, die vielfach verschachtelt sind und in denen der Leser immer tiefer in Details und in Vergangenheit gehüllt wird, bis er plötzlich mit einem unvermittelten &#8220;dachte ich&#8221; schnappatmend an der scheinbaren Oberfläche einer höheren Erzählebene auftaucht.</p>
<p>Das Wasser bleibt ruhig in Wagners Roman &#8211; und das nicht nur, weil im Grunde nicht viel passiert, sondern alles nur erinnert wird. Auch der Protagonist treibt durch das ganze Geschehen seltsam distanziert und teilnahmslos. Zumeist sind ihm äußere Ereignisse nur Anlaß für weitere Erinnerungen; und wenn er etwas über das rein Mechanische Hinausgehendes tut, so sehen wir es doch nur wieder durch den Gedankenfluß hindurch, und alles wirkt ein wenig gefühlskalt und verlangsamt.</p>
<p>Die Verlangsamung ist natürlich Absicht, gar Programm: es geht gerade darum, alles zu betrachten und zu zergliedern. Das geht soweit, daß wir uns schließlich gemeinsam mit dem Erzähler wundern, wenn sich einmal &#8220;eine Angelegenheit [...] in nur einem Satz zusammenfassen ließ&#8221;. Wagners Bilder tragen nicht unerheblich zu diesem Effekt bei und überziehen alles wunderbar mit der &#8220;erinnerungsglasierte Hülle&#8221;, die der Protagonist an seinem Vater nicht mehr übersehen kann: &#8220;Ich versuchte ihn anzusehen, als wäre es das erstemal, versuchte ihn ohne Erinnerungsverkleidung anzusehen, irgend etwas aber liegt immer dazwischen, der Stoff, die Haut, das Fleisch &#8230;&#8221;</p>
<p>Es wäre also alles ganz wunderbar: eine gemütliche Reise auf einem langen, ruhigen Fluß und zwischendurch gibt&#8217;s häppchenweise &#8211; mal angedeutet, mal ausgeleuchtet &#8211; die Sehenswürdigkeiten des erinnerten Rheintals zu sehen. Allerdings: alles so schön gleich hier. Denn so einheitlich und sicher Wagners Stil auch ist, es fehlen die nötigen Wellen für ein bißchen Abenteuer. Nichts scheint den Protagonisten bewegen zu können, nichts bringt sein Herz in Wallung, läßt, wenigstens ein bißchen, Sturm oder gar Meuterei auf der <em>Bounty</em> seiner Erinnerungen aufkommen. Ja, hat der denn keine Pubertät gehabt, keine wilden Hormonschwankungen wenn schon keine echten Erlebnisse?</p>
<p>Die Geschichte fließt träge vor sich hin, und so elegant Wagner auch Motive einflicht und wieder aufgreift und mit seinen Satzbauten jongliert, so erscheint all das doch etwas zu sehr nach Lehrbuch gemacht, zu glatt; einen Tick zu konstruiert ist es, wie alles zusammenpaßt. Wagners spürbares Bemühen, sein Erstlingswerk mit ganz viel Bedeutsamkeit &#8211; Deutschland nach der Wiedervereinigung, Wohlstandsträgheit, kaputte Familie, 68er, Altnazis etc. &#8211; aufzupeppen, wirkt da auch eher gestelzt und überlädt die Geschichte ein wenig. Dennoch ist spürbar, daß David Wagner erzählen kann und sicherlich noch das eine oder andere flotte oder langsame Flüßchen auf die Reise schicken kann (und hoffentlich wird). <em>Meine nachtblaue Hose</em> selbst ist allerdings ein wenig wie Marmelade (die in dem Buch nicht nur mit &#8220;eingekochter&#8221; Erinnerung verglichen, sondern auch viel gegessen wird), nachdem sie zu lange simmernd auf der Herdplatte stand: zähflüssig, nährstoffarm und ein bißchen zu süß. </p>
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